Mittwoch, 20. August 2008

Meine vierte Woche - oder Kanada at its best!

Hallo zusammen,

Wo soll ich nur anfangen…es gibt eine ganze Menge zu erzählen. Je länger man sich nämlich an einem neuen Ort aufhält, desto intensiver bekommt man gewisse Gewohnheiten der Einheimischen mit. Das ist jetzt auf den ersten Blick vielleicht keine besonders erhellende Erkenntnis, aber ich finde es trotzdem wichtig mal an dieser Stelle zu erwähnen.

Zum Beispiel, es fasziniert mich ja ungemein, da ich bisher keine wirkliche Erklärung fand und meine Fragen eher mit Verwunderung als Verständnis aufgenommen wurden, dass der Kanadier an sich sein Kleingeld mit Vorliebe in der rechten bzw. linken Hosentasche ansammelt, um dann, während eines kurzen Small Talks seinen Gegenüber durch kontinuierliches Klimpern darauf aufmerksam zu machen, dass bei einem unangekündigten Besuch bei Tim Hortons, ein dubble-dubble mindestens drin sei. Es gibt hier sogar Witze, das Thema betreffend. So zeichnet sich ein verheirateter Mann nämlich im Gegensatz zu einem Single angeblich dadurch aus, dass er nicht (mehr) eine gewisse Lautstärke mit dem Change in seiner Hosentasche erreicht. Ich hoffe, ich habe das jetzt sinngemäß wiedergegeben.

Weniger erheitern, aber doch erquickend, gestaltete sich letzte Woche kurzfristig (nach meinem Geschmack zu kurzfristig) ein falscher Feueralarm in meinem Hotel gegen 22.40 Uhr. Pünktlich zum Spiel Deutschland gegen Spanien im Basketball. Die Freude darüber endlich einmal auch etwas von Olympia live zu sehen, trübte nun lediglich der gellend- pfeifende Piepton, der geschätzte 75 Prozent aller Hotelgäste auf den Parkplatz trieb. Wie ich später von einem sehr netten Herrn aus Dallas erfuhr, werden hier absichtlich extrem hohe Töne für den Feueralarm verwendet, da einige Menschen hier ein gewisse Müdigkeit nicht mehr zu besiegen vermögen, wenn mal wieder ein false alarm erklingt Da überlegste dir echt zweimal, ob du die unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeit zu verbrennen nicht lieber in Kauf nimmst, um in Ruhe Dirk und Pau zu gucken, dafür aber eben die Schlusssirene (tolles Wort...drei s) des Spiels nicht mehr in den modifizierten Frequenzbereich deines Gehörs fällt. Ich dachte jedenfalls, lieber hören als gucken. Glücklicherweise erschien nach knapp 5 Minuten die Kavallerie (so meinte jedenfalls mein neuer Bekannter aus Texas) in zwei bunt blinkenden Kirmeswagen (sie wussten bei ihrer Ankunft augenscheinlich nix von einem false alarm) und machte sich alsdann auch ans Werk, dem steten Piepen im Hotel mit Oxygengerätschaft den Gar aus zu machen. Was auch gelang!


Weiter ging es am nächsten Abend, da wirklich ein Highlight das nächste jagte. Ich mein mal ganz ehrlich, ich habe schon einige Gewitter erlebt und habe es auch schon echt oft krachen gehört, aber was da kam, übertraf wirklich alles. (Dem kritischen Leser sei an dieser Stelle vorab versichert, dass der Autor stets um ein hohes Maß an Authentizität bei der Wiedergabe seiner Erlebnisse bemüht ist.) Man konnte förmlich spüren, wie die Druckwelle des unmittelbar bevorstehenden Donners auf einen zukam. Es war wirklich unglaublich. Eigentlich hat es gar nicht wirklich gedonnert, es war mehr wie ein wackeln. Man hörte natürlich auch was, aber in erster Linie nahm man es mit seinem Tastsinn wahr. Die Druckwelle war so enorm, dass sie bei einem Auto auf dem Hotelparkplatz den Alarm auslöste (ich wiederhole, die Druckwelle!!), welcher in den folgenden 2 Minuten völlig verrückt spielte und sämtliche Töne wiedergab, die einprogrammiert waren. Am nächsten Morgen berichteten mir meine Kollegen, dass solche heftigen shockwaves hier nicht ungewöhnlich sein. Für mich war es jedenfalls was Neues. Da brauchste keine Katze mehr, die dir vorher zu verstehen gibt, wann ein Gewitter kommt. Das merkste schon so.

Am Wochenende ging es dann wieder einmal nach Toronto. Freitag stand zunächst das CFL-Spiel Toronto vs. Montreal auf dem Plan. Schnell noch ein paar Karten auf dem Schwarzmarkt erstanden (wir waren ja viel zu spät) und dann mal schön dritte Reihe, unten Mitte gesessen. Glück brauchste eben! Samstag waren wir dann zunächst auf so einer traditionellen kanadischen Fair und abends in einem Club. War jetzt nicht soo der Hammer (weder das eine noch das andere), wie ich im Nachhinein finde. Aber Hauptsache wir waren da und immerhin gab es Dosenbier im Guvernment (Dosenbier in der Disco!!)...und zwar reichlich!! Das fand ich gut!

Eine gute Nacht nach Deutschland

PS: Heute mal nix :-)